Seit seiner Gründung 1957 ist das Institut für Ostrecht München e.V. die zentrale deutschsprachige außeruniversitäre Forschungseinrichtung für die Rechtordnungen und Rechtskulturen Osteuropas. Mit seinem Namen knüpft das Institut an die 1925 gegründete Zeitschrift „Ostrecht“ (später „Zeitschrift für osteuropäisches Recht“) an, mit seiner Organisationsform als eigenständige juristische Person in der Form eines e. V. an das 1918 gegründete und bis zu seiner Gleichschaltung 1938 hoch angesehene Osteuropa-Institut Breslau.

Von dem Breslauer Osteuropa-Institut übernommen ist auch die geografisch-synoptische Betrachtungsweise der Rechtsentwicklung in den osteuropäischen Staaten und damit die Gliederung in Länderreferate. Damit ist das Institut für Ostrecht die einzige Einrichtung in Deutschland und wohl auch in der Welt, die kontinuierlich, rechtsgebiets- und länderübergreifend die Rechtsentwicklung in Osteuropa verfolgt. Die beim IOR beschäftigten Länderreferentinnen und -referenten befassen sich jeweils mit der gesamten Rechtsentwicklung des bzw. der von ihnen beobachteten Landes oder Länder. Sie sind Spezialisten für die gesamte Rechtsordnung ihres Forschungsraums und nicht bloß für einzelne Teile wie das Zivilrecht oder das Verfassungsrecht. Das ermöglicht es, neue Tendenzen in der Rechtsentwicklung jeweils in ihren Gesamtzusammenhang einzuordnen. Der regelmäßige Austausch zwischen den Länderreferentinnen und -referenten und zahlreiche gemeinsame Projekte aller Referate sorgen für eine länderübergreifende Betrachtungsweise.

Die Ergebnisse der Beobachtung der Rechtsentwicklung werden monatlich in der „Chronik der Rechtsentwicklung“ veröffentlicht. Diese kontinuierliche Grundlagenforschung ist zudem die Voraussetzung für die qualifizierte und rasche Erstellung von Rechtsgutachten für die Bedürfnisse der Justiz, öffentlichen Verwaltung und Wirtschaft in Deutschland und darüber hinaus. Über Drittmittelprojekte stellt das IOR die Vernetzung zum einen mit der deutschsprachigen Rechtswissenschaft als „Mutterdisziplin“ und zum anderen interdisziplinär mit anderen Einrichtungen der Osteuropaforschung her. Die Teilnahme des IOR am Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa Regensburg (WiOS) steigert das interdisziplinäre Potenzial der Forschungen am Institut.

Das IOR beschäftigt sechs wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeit in den einzelnen Länderreferaten. Neben einschlägigen Sprach- und Rechtskenntnissen verfügen alle Referentinnen und Referenten über das deutsche zweite juristische Staatsexamen, um eine an den Bedürfnissen deutscher Gerichte und Behörden orientierte Bearbeitung von Gutachten sowie die Verankerung in der deutschen Rechtswissenschaft zu gewährleisten.