Am 6. Mai 2026 fand am Institut für Ostrecht in Regensburg das Kick-off-Meeting des Deutsch-Ukrainischen Polizeidialogs „Prävention vor häuslicher Gewalt“ im Rahmen des Denkraum Ukraine statt. Die hybride Veranstaltung brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Polizeipraxis aus Deutschland und der Ukraine zusammen. Im Mittelpunkt standen Fragen der polizeilichen Gefahrenprävention, des rechtlichen Schutzes vor häuslicher Gewalt und der institutionellen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.
Schwerpunkt häusliche Gewalt: Themenfeld mit hoher Relevanz für Rechtswissenschaft, Polizeiarbeit und Gesellschaft
Aus Sicht des Instituts für Ostrecht markiert das Kick-off einen wichtigen nächsten Schritt in einem Dialogformat, das den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis gezielt vertieft. Während im Vorjahr der Deutsch-Ukrainische Polizeidialog am IOR und beim Besuch im Polizeipräsidium Oberpfalz vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Vergleich polizeilicher Strukturen sowie Fragen der Verkehrssicherheit von Kindern im Straßenverkehr und der Polizeiarbeit in Kriegszeiten diente, wurde der Austausch nun thematisch fokussiert weiterentwickelt. Mit dem Schwerpunkt auf häuslicher Gewalt wurde nun ein Themenfeld eröffnet, das für Rechtswissenschaft, Polizeiarbeit und Gesellschaft gleichermaßen hohe Relevanz besitzt.

Deutsch-Ukrainischer Austausch: zwischen Wissenschaft und Praxis
Besonders sichtbar wurde dabei die Handschrift von Dr. Yuliia Tsurkalenko, die den Deutsch-Ukrainischen Polizeidialog, seinerzeit noch als Gastwissenschaftlerin am IOR, initiiert hat und ihn seither mit großem Engagement inhaltlich mitprägt. Als Organisatorin und Mitmoderatorin des Kick-off-Meetings verkörpert sie den Leitgedanken des Projekts in besonderer Weise: den Aufbau tragfähiger Brücken zwischen ukrainischer und deutscher Expertise, zwischen rechtswissenschaftlicher Reflexion und polizeilicher Praxis sowie zwischen institutioneller Zusammenarbeit, persönlichem Vertrauen und einem Austausch auf Augenhöhe. Dass sich aus den Begegnungen des Vorjahres nun ein weiterer profilierter fachlicher Dialog entwickelt, ist in wesentlichen Teilen ihrem Einsatz zu verdanken.





Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Grußworten von Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Kupper, Geschäftsführer des Instituts für Ostrecht, Polizeioberst Oleksii Biloshytskyi, Erster stellvertretender Leiter des Departements der Patrouillenpolizei in Kyjiv, Kriminalrat Mario Griesbeck vom Polizeipräsidium Oberpfalz sowie Prof. Dr. Mirja Lecke vom Zentrum für interdisziplinäre Ukrainestudien „Denkraum Ukraine“ der Universität Regensburg. Schon in dieser Auftaktphase wurde deutlich, dass die Prävention häuslicher Gewalt nur im Zusammenwirken unterschiedlicher Perspektiven wirksam weiterentwickelt werden kann.
Praxiseinblick: Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt in Deutschland und in der Ukraine
Das Fachprogramm, welches von Prof. Dr. Gerrit Manssen, Dr. Yuliia Tsurkalenko und Antje Himmelreich moderiert wurde, griff diese Perspektiven gezielt auf. Kriminalhauptkommissarin Rebecca Ehmann vom Polizeipräsidium Oberpfalz stellte die standardisierte Abarbeitung von Fällen häuslicher Gewalt vor und beleuchtete damit einen zentralen Bereich polizeilicher Praxis. Polizeimajorin Iryna Kompaniets, Leiterin der Abteilung für Prävention und Bekämpfung häuslicher Gewalt, aus Kyjiv sprach über polizeiliche Maßnahmen beim Einschreiten wegen häuslicher Gewalt und eröffnete den Blick auf die ukrainischen Erfahrungen und Herausforderungen. Besonders beeindruckend waren ihre Schilderungen zum Einsatz digitaler Mittel bei Polizeieinsetzen. Elektronische Verfügungen und Protokolle werden den Verfahrensbeteiligten mithilfe eines Thermodruckers noch am Einsatzort ausgehändigt.


Wissenschaftliche Perspektive: Verfassungsmäßigkeit der elektronischen Fußfessel, zivilrechtlicher Gewaltschutz und Zyklizität häuslicher Gewalt
Am Nachmittag rückte mit den Vorträgen von Prof. Dr. Gerrit Manssen zur elektronischen Aufenthaltsüberwachung, Prof. Dr. Martin Löhnig, wissenschaftlicher Leiter des IOR, zum zivilrechtlichen Schutz vor häuslicher Gewalt sowie Prof. Dr. Svitlana Kalishchuk, Leiterin des Lehrstuhls für Persönlichkeitspsychologie und soziale Praktiken der Boris-Hrinchenko-Universität Kyjiv, zur Zyklizität häuslicher Gewalt die wissenschaftliche Perspektive in den Vordergrund.




Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und institutioneller Zugänge unterstreicht die besondere Rolle des IOR. Das Institut versteht sich nicht nur als Ort rechtsvergleichender Forschung, sondern auch als Plattform für den Austausch über konkrete gesellschaftliche Herausforderungen in Osteuropa und darüber hinaus. Der Deutsch-Ukrainische Polizeidialog zeigt exemplarisch, wie wissenschaftliche Expertise, internationale Kooperation und praxisnahe Problemlösung produktiv zusammenwirken können.
Erfolgreiche Anknüpfung an den ersten Deutsch-Ukrainischen Polizeidialog 2025
Zugleich knüpft das diesjährige Kick-off unmittelbar an die im September 2025 begonnenen Gespräche an. Schon damals wurde beim Austausch am IOR und im Polizeipräsidium Oberpfalz deutlich, wie wertvoll der direkte Dialog für den Vergleich von Strukturen, Erfahrungen und Präventionsansätzen ist. Das diesjährige Treffen führt diese Zusammenarbeit konsequent fort: aus einer ersten intensiven Begegnung ist ein belastbares Format geworden, das sich zunehmend thematisch schärft und institutionell verstetigt.

Der Workshop fand im Rahmen des Projekts „Polizeiliche Gefahrenprävention in der Ukraine“ von Dr. Yuliia Tsurkalenko statt, das durch die Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert wird. Für das Institut für Ostrecht ist der Deutsch-Ukrainische Polizeidialog damit nicht nur ein gelungenes Veranstaltungsformat, sondern auch Ausdruck seines Anspruchs, wissenschaftliche Vernetzung mit konkreter gesellschaftlicher Wirkung zu verbinden.

