Am 10. und 11. Juli 2026 versammelten sich an der Universität Regensburg Wegbegleiter, Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, um im Rahmen eines Gedächtnissymposions an Prof. Dr. Dres. h. c. Friedrich-Christian Schroeder zu erinnern. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie viele Menschen Schroeders Wirken über Jahrzehnte hinweg begleitet und geprägt hat. Am 14. Juli 2026 hätte er seinen 90. Geburtstag gefeiert.
Ein Leben für Strafrecht und Ostrecht
Friedrich-Christian Schroeder zählte zu den profiliertesten deutschen Strafrechtswissenschaftlern seiner Generation. Sein Werk reichte von der Strafrechtsgeschichte über das nationale Straf- und Strafprozessrecht bis zu den Strafrechtsordnungen Osteuropas und Zentralasiens und fand international Beachtung – insbesondere in Osteuropa, in der Türkei, in Spanien und in Lateinamerika.
Den Grundstein für seine Beschäftigung mit dem Osten legte eine Forschungsreise der Studienstiftung des deutschen Volkes, die ihn 1965 zum ersten Mal nach Moskau führte. 1968 gehörte Schroeder zu den Gründungsvätern der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Regensburg. Von 1973 bis 2022 leitete er außerdem das Institut für Ostrecht und prägte es über beinahe fünf Jahrzehnte als wissenschaftlicher Leiter. Nicht zuletzt durch seine zahlreichen Schülerinnen und Schüler – unter anderem aus Argentinien, Aserbaidschan, der Türkei, Peru und Tadschikistan – war Schroeder ein Motor des wissenschaftlichen Austauschs über nationale Grenzen hinweg und trug maßgeblich zur nationalen wie internationalen Sichtbarkeit der Regensburger Fakultät für Rechtswissenschaft bei.


Ein dichtes Programm: von Straftrecht AT über BT und Rechtsgeschichte bis hin zum Ostrecht
Den Auftakt bildete am Freitag der Workshop „Ost und West im Dialog“ für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Der eigentliche Festtag folgte am Samstag im Sitzungssaal der Universität Regensburg. Nach Begrüßung und einführenden Worten eröffnete Prof. Dr. Andreas Hoyer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) die Vortragsreihe mit einem Beitrag zu strafrechtlichen Problemen bei der Überlistung eines Automaten. Es folgte Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hans-Heiner Kühne (Trier) zur Anerkennung ausländischer Urteile im Exequatur-Verfahren.
Am Nachmittag rückte Schroeders strafrechtshistorisches Werk in den Mittelpunkt, vorgestellt von Prof. Dr. Dr. Milan Kuhli (Universität Hamburg). Dr. Manuchehr Kudratov, der bei Schroeder promoviert hat und dem Institut für Ostrecht bis heute als affiliierter Wissenschaftler für Zentralasien verbunden ist, sprach anschließend über das Strafrecht im Schatten des Eisernen Vorhangs und die deutsch-sowjetischen Kolloquien über Strafrecht und Kriminologie von 1980 bis 1991 – ein Thema, das die enge persönliche Verbindung zwischen Schroeder und seinen Schülern eindrucksvoll spiegelte.
Per Zoom zugeschaltet, widmete sich Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. Günther Jakobs (Bonn) der Frage „Der Täter hinter dem Täter?“, bevor Prof. Dr. Elvan Keçelioğlu (Universität Ankara) zur Fahrlässigkeit im türkischen Strafrecht referierte. Damit spannte das Programm den Bogen über Schroeders gesamtes wissenschaftliches Schaffen, vom Allgemeinen und Besonderen Teil des Strafrechts über das Strafprozessrecht bis zum Ostrecht.
Podiumsdiskussion: Ostrechtsforschung im Wandel
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zur gegenwärtigen und künftigen Arbeit des Instituts für Ostrecht. Der Geschäftsführer des Instituts Prof. Dr. Dr. h. c. Herbert Küpper und Antje Himmelreich, wissenschaftliche Referentin für den postsowjetischen Raum die den derzeitigen wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Martin Löhnig vertrat, sprachen über laufende Projekte, Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie die Engagement des IOR in der Lehre. Breiten Raum nahm zudem die Frage ein, wie sich die Ostrechtsforschung angesichts unerwünschter und extremistischer Organisationen weiterhin seriös mit dem russischen Recht auseinandersetzen kann. Gemeinsam mit Herbert Küpper hob sie hervor, wie eng das Institut für Ostrecht seit vielen Jahren mit der Universität Regensburg zusammenarbeitet. Prof. Dr. Dr. h. c. Herbert Küpper nutzte die Gelegenheit, sich für die erst kürzlich erfolgte Anerkennung des Instituts als An-Institut der Universität Regensburg zu bedanken, ein Meilenstein, den Schroeder als langjähriger wissenschaftlicher Leiter mit Sicherheit mit großer Freude aufgenommen hätte.
Im Anschluss an die Veranstaltung klang der Tag bei einem gemeinsamen Abendessen aus, bei dem Erinnerungen, Anekdoten und Gespräche über Schroeders Wirken noch lange nachklangen.

