Lesung in Budapest: Herbert Küpper liest aus „Ungarische Tänze“

Am 13. Mai 2026 lud die Österreich-Bibliothek der deutschsprachhigen Andrássy Universität Budapest zu einem besonderen literarischen Abend: Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Küpper, Geschäftsführer des Instituts für Ostrecht (IOR), las aus seinem dritten Kriminalroman „Ungarische Tänze“ und entführte dabei rund 30 Gäste in eine Welt, die weit mehr zu bieten hat als Mord und Totschlag.

Zwischen Krimi und Kulturessay

Im Mittelpunkt des Abends stand weniger die eigentliche Krimihandlung, angesiedelt in der fiktiven kleinen deutschsprachigen Agrippina-Universität Budapest, als vielmehr die vielschichtige Ebene darunter: vier Jahrzehnte persönlicher Erfahrung mit Ungarn, verwoben in Fiktion. Mit Kennerschaft und Zuneigung sprach Küpper über ungarische Weine und Küche, über die Eigenheiten und Schönheiten der ungarischen Sprache und die auf ihr gründenden Kunstzweige Literatur, Theater und Film. Aber auch kritischere Themen fanden ihren Platz: die allgegenwärtige Korruption, die staatliche Geschichtspolitik und die architektonischen Perlen Budapests, die all dem zum Trotz immer wieder ins Auge fallen. So fügte sich der Abend zu einem facettenreichen Porträt Ungarns, subjektiv, reflektiert und mit dem Blick eines Wissenschaftlers, der sein Forschungsland nie nur aus der Distanz betrachtet hat.

Lebhafte Diskussion im Anschluss

Das Publikum folgte der Lesung mit großem Interesse und nutzte die anschließende Diskussion, um gemeinsam mit Herbert Küpper über Ungarn zu sprechen: über Land, Leute, Sprache und Politik, über die Grenzen zwischen Fiktion und gelebter Erfahrung und über das akademische Milieu, das im Roman als Bühne für die Krimihandlung dient. Moderiert wurde der Abend von Mag. Simon Rudolf Tafler von der Andrássy Universität Budapest, der souverän durch das Programm führte.

Wissenschaft trifft Literatur

Die Veranstaltung steht exemplarisch für einen Ansatz, der dem IOR am Herzen liegt: Wissen über Osteuropa nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen zu vermitteln, sondern es auf vielfältige Weise zugänglich und erfahrbar zu machen. Literatur kann dabei Brücken bauen, die der akademische Diskurs allein nicht immer schlägt. „Ungarische Tänze“ ist in diesem Sinne mehr als ein Krimi, nämlich ein persönliches Zeugnis langjähriger wissenschaftlicher und menschlicher Auseinandersetzung mit einem faszinierenden Land.