Am 15.07.2026 stand am Institut für Ostrecht ganz die Frage im Mittelpunkt, wie es um Presse und Demokratie in der Ukraine – und im Vergleich dazu in Deutschland – bestellt ist. Zwei Veranstaltungen boten dazu am selben Tag unterschiedliche, aber eng miteinander verwobene Perspektiven.
„Mehr als Nachrichten“: Journalismus unter Kriegsbedingungen
Den Auftakt machte am Nachmittag der Vortrag „Mehr als Nachrichten: Die Herausforderungen der Presse im Krieg“ mit Daria Meshcheriakova, Journalistin bei European Pravda und POLITICO in Kyjiw. Sie berichtete eindrücklich von den Arbeitsbedingungen in der Ukraine im vergangenen Winter: Die Heizung fiel aus, Stromausfälle gehörten zum Alltag. Um dennoch arbeitsfähig zu bleiben, arbeitete sie mit drei Notebooks parallel und wechselte jeweils das Gerät, sobald der Akku eines davon leer war.




Ein zweiter Schwerpunkt ihres Vortrags galt der veränderten Medienlandschaft: Für mehr als drei Viertel der ukrainischen Bevölkerung haben soziale Medien inzwischen klassische Medien als Informationsquelle ersetzt – allen voran Telegram-Kanäle, über die sich Desinformation und russische Propaganda rasant verbreiten. Vor diesem Hintergrund betonte Meshcheriakova die Bedeutung einer freien Presse, die kritisch über Regierungshandeln und Korruption berichtet, gerade in Kriegszeiten.
„Demokratie unter Druck?“: Deutsch-ukrainische Podiumsdiskussion
Am Abend folgte, anlässlich des 30. Jahrestags der ukrainischen Verfassung, die Podiumsdiskussion „Demokratie unter Druck?“. Auf dem Podium diskutierten Professor Dr. Roman Melnyk (derzeit Maquet Narikbayev Universität, Astana), Darja Meshcherjakova (European Pravda, Kyjiw) und Professor Dr. Alexander Tischbirek (Universität Regensburg), moderiert von Professor Dr. Gerrit Manssen und Antje Himmelreich. Die Veranstaltung war ausgesprochen gut besucht.






Für die Ukraine stand vor allem die Problematik im Zentrum, dass Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Kriegszustand bislang ausgeblieben sind – ein Umstand, der die Frage aufwirft, wie viel demokratische Substanz ein Land unter Kriegsrecht bewahren kann. Für Deutschland fiel der Befund, dass die Demokratie derzeit durch die AfD auf eine besondere Probe gestellt wird. Diskutiert wurde dabei unter anderem die Frage eines möglichen Parteiverbots – aber ebenso, was auf ein solches Verbot folgen könnte und ob es die AfD und ihre Wählerschaft tatsächlich schwächen würde.
Ein Tag, zwei Perspektiven auf denselben Befund
Beide Veranstaltungen verband ein gemeinsamer roter Faden: die Frage, wie widerstandsfähig demokratische Öffentlichkeit unter Druck bleibt – sei es durch Krieg und Desinformation in der Ukraine oder durch den Erstarken rechtsextremer Kräfte in Deutschland. Der 15.07.2026 machte deutlich, dass diese Herausforderungen, so unterschiedlich ihre Ausgangslagen auch sind, letztlich dieselbe Frage berühren: Wie lässt sich eine offene Gesellschaft gegen ihre Angreifer von innen und außen verteidigen?
















